… und wenn die fünfte Kerze brennt …

1. Advent

… dann hast Du Weihnachten verpennt!

Welche Mutter sehnt sich nicht hin und wieder danach, dass dieser Kinderspruch einfach mal in Erfüllung gehen würde?! Vielmehr heißt es doch aber bei uns „Advent, Advent, und alles rennt …“ Denn ist Euch auch schon einmal aufgefallen, dass die Uhren im Dezember irgendwie anders ticken? Die Zeit läuft defintiv schneller, als in den elf Monaten davor, wenn nicht uns sogar davon …  Gerade haben wir an das erste Türchen im Adventskalender nur gedacht und schwupps ist schon Weihnachten. Dazwischen laufen wir von A nach B, haben diverse Weihnachtsfeiern im Büro, Sportverein, Schule und Kindergarten, dekorieren die Igel-Gruppe, helfen beim Kekse backen in der 3c, basteln Adventskalender, bauen Hexenhäuschen, sammeln Geld ein für die Lehrer- und Erziehergeschenke, schicken Wunschlisten an den Weihnachtsmann, trinken Glühwein mit den Kollegen, kaufen Geschenke, verpacken sie, gehen schnell noch mal zum Sport, bewirten die Großfamilie am Adventssonntag, fahren Karussell auf dem Weihnachtsmarkt, sagen „nein“ zur Zuckerwatte und dann „ja“ zum Lebkuchenherz…

Lebkuchenhaus

Knusperhäuschen

… und dazwischen sehnen wir uns einfach nur nach Ruhe, Sinnlichkeit und Zeit für uns und mit der Familie.

In diesem Jahr habe ich mir geschworen, es einmal anders zu machen. Wegrennen gilt nicht, Weihnachten verpennen schon gar nicht – und aus dem meisten Programm komme ich auch nicht wirklich raus. Den Sport kann ich allerdings streichen (hihi) und notfalls auch den Glühwein mit den Kollegen … nein, aber mal im Ernst: es muss anders gehen. Denn eigentlich liebe ich genau diese Zeit und möchte sie in jedem ihrer Momente voll und ganz genießen. Das bedeutet für mich: alles geht, ich muss nur meine Haltung ändern.

DIY Adventskalender

Aber wie kann ich den Alltagsstress der Vorweihnachtszeit als schön und nicht als furchtbar anstrengend empfinden?

Ich habe es ausprobiert, es geht – und zwar mit ganz einfachen Achtsamkeitsübungen für Zwischendurch:

1. Morning Glory

Der Wecker klingelt, und ich stehe NICHT auf. Und das ganze 2-3 Minuten nicht, in denen ich mit offenen Augen einfach nur die Zimmerdecke betrachte, ohne irgendetwas dabei zu denken (gar nicht so einfach). Dann setze ich mich langsam auf und atme. Ich fühle, wie sich mein Brustkorb hebt und senkt, fühle die Temperatur meines Atems und denke immer noch nichts. Jetzt fühle ich in mich hinein. Tut mir irgendwo was weh (irgendwas ist ja immer)? Bin ich verspannt (mit Sicherheit)? Fühlt sich irgendetwas schön an (die vom Schlafen warme Haut z.B.)? Das mache ich 1-2 Minute. Dann richte ich meine Aufmerksamkeit auf meine Gedanken und Emotionen. Womit beginne ich diesen Tag? Bin ich fröhlich oder besorgt? Ich bewerte dies nicht, ich schaue es mir einfach nur an. Dann stehe ich auf – und wenn Ihr diese Übung macht, werdet Ihr überrascht sein, wie entspannt Ihr nun in den Tag startet.

2. … denn wir müssen geduldig sein

Die Teenie-Tochter kommt nicht aus dem Badezimmer, das Kindergartenkind will sich nicht anziehen, um einen Arzttermin zu machen, sind wir stundenlang in der Warteschleife, die Ampel will partout nicht grün werden und die Schlange an der Kasse wird und wird nicht kürzer … Stress pur! Aber warum eigentlich? In dieser Übung fühle ich, wie mich beim Warten die Ungeduld, Agression oder Nervosität packt. Ich spüre genau in dieses Gefühl hinein und konzentriere mich dann auf meinen Körper. Wie fühlt er sich an? Bin ich verspannt? Wo genau? Dann entspanne ich die jeweilige Körperstelle ganz bewusst. Und schon geht es besser.

3. Irgendwie anders

Die „Irgendwie anders“- Übung trickst uns in unseren Gewohnheiten aus und lässt uns so fast schon aus Versehen entspannen. Hierzu mache ich eine routinierte Handlung aus meinem Alltag (Zähne putzen, whatsapp schreiben, die Spaghettisoße umrühren) einfach einnmal mit meiner linken, statt mit der rechten Hand. Dadurch lenke ich sofort meine Konzentration auf diese Handlung, die ansonsten automatisch nebenher passieren würde, denn ich habe weder vor, Zahnpasta oder Tomatensoße vom Fußboden aufzuwischen, noch möchte ich kryptische Nachrichten an z.B. den Trainer meines Sohnes schreiben. Und ich sag ja: aus Versehen innegehalten und schwupps entspannt.

4. Wu Wei für Fortgeschrittene

Wu Wei ist das bewusste Nichts-tun. Eigentlich die einfachste Übung von allen, tue ich mich ehrlicherweise noch sehr, sehr schwer damit. Trotzdem will ich Euch diese Übung nicht vorenthalten, denn beherrscht man sie, ist es die effektivste Übung für sofortige Entspannung. Bei Wu Wei macht man nicht, absolut NICHTS. Und das 5 Minuten lang. Egal, ob man liegt, sitzt oder steht: man denkt nicht. Man bewertet nicht. Man achtet auf nichts. Man tut einfach nichts – und fühlt nach nur 5 Minuten und ein bisschen Übung, wie gut und nachhaltig sich echtes Nichts-tun anfühlt.

Weohnachtsdeko

So, Ihr Lieben, nun muss ich aber los: Backzutaten einkaufen, Kinder vom Schlittschuhlaufen abholen, dann ins Weihnachtsmärchen und mich parallel noch nach einem standfesten Tannenbaum erkunden, der mit kleinen Welpen kompatibel ist … dabei werde ich mit meiner linken Hand das Geld aus dem Portemonaie nehmen, bewusst den Geruch von Schlittschuhkufen auf dem Eis wahrnehmen und mein Handy beim Pinterest-Durchstöbern einfach verkehrt rum halten – und ich bin mir sicher: heute Abend bin ich noch entspannter, als ich heute Morgen schon aufgestanden bin – bei all den Achtsamkeitsübungen, die ich über den Tag verteilt so mache …

In diesem Sinne: Haltet durch, Freunde, uns geht es allen gleich!

 

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