40 shades of green – von Dublin nach Belfast

Eigentlich sollte unsere diesjährige Kurzreise nach Istanbul gehen, haben uns aber wegen „politisch inkorrekt“ dagegen entschieden. Wir entschlossen uns daher einstimmig für Irland.
Ein Flug nach Dublin, mit dem Mietwagen nach 
Belfast und wieder zurück. Gesagt, getan.

Grundsätzlich sind wir auf unseren Städtetouren nur mit Handgepäck unterwegs. Für unsere 3-4 Tage-Trips brauchen wir nicht viel und das frühe Einchecken und lange Anstehen war noch nie unseres. Und trotz der genauen Gepäckmaße von Ryan Air schafften sogar noch zwei Festival-Regenmäntel und zwei kleine Regenschirme in den Rucksack: In Irland soll es ja ständig regnen.

Bereits eine Stunde nach Ankunft am Dublin-Airport saßen wir im Auto auf dem Weg nach Belfast … und das hatte es in sich …

Linksverkehr und Maut

Denn erstens fährt man in Irland, genau wie in England, links und zweitens werden seit Beginn der 80er Jahre auf einigen Autobahnabschnitten Maut verlangt. Bezahlt wird die „Toll“, wie sie in Irland heißt, in den meisten Fällen bei der jeweiligen Zahlstelle in bar. Bei der Ringstraße M50 rund um Dublin jedoch, wird dein Nummernschild elektronisch erfasst und man kann die Nutzung an jeder Tankstelle oder via App bezahlen. Das muss erst mal einer wissen. Ich hatte den Job auf das Navi zu gucken, Lu rief von hinten immer „links fahren, Papa, liiiinks“ und mein Mann behielt zum Glück die Nerven, als ich ihn mitten auf der Schnellstraße anschrie, dass er mal kurz halten solle, weil wir das GPS Signal verloren hatten.
Es sind ca. 160 km von Dublin nach Belfast. Für Sightseeing reichte die Zeit leider nicht, das haben wir uns somit für die Rückfahrt aufgehoben. Unser Apartment, haben wir uns direkt über booking.com gebucht. Es war super funktionell, groß, zentral und sauber. Was will man mehr.

Die Iren sind schon ekelhaft nett

Der nette Apartment-Besitzer „Ian“, war so nett und „redselig“, dass er gar nicht mehr gehen wollte. Und das kann ich wirklich über alle Iren sagen – netter geht es nicht. Jeder hat einen Schnack auf den Lippen und ein freundliches Grinsen parat. Sie klopfen einem auch gern auf die Schulter oder fassen einen wie selbstverständlich an den Arm …  Selbst Lu hatte durch diese Freundlichkeiten ihre anfängliche Scheu abgelegt und sprach plötzlich „nearly fluently“ English.

Pubcrawling ohne Kind

Wer abends etwas Leckeres essen möchte, hat es mit einem Teenager etwas schwerer.
Die klassische irische Küche ließ Lu jedenfalls eher zusammenzucken, darum entschieden wir uns für ein Restaurant, was wir schon aus London kannten. Das Nando’s ist ursprünglich eine portugiesische Hähnchen-Kette (nein, nicht wie Kentucky Fried Chicken), bei der man sein eigenes Essen zusammenstellen kann. Hier ein wenig Huhn, da ein Schälchen Salat, das ganze bitte im Wrap, nein doch lieber auf Sprossen, mit Reis, nö, für mich lieber mit Pommes, diversen Peri-Peri Saucen … Auf jeden Fall lustig, anders und lecker-frisch.

Auf dem Weg zurück zum Apartment kamen wir an etlichen tollen Pubs vorbei. Die Livemusik, die aus jedem einzelnen heraus dröhnte, war vielversprechend, … aber leider wollte Lu auf keinen Fall mit rein.
Und das war auch gut so, denn Minderjährige dürfen sich in der Republik Irland nach 21.30 Uhr nicht mehr in einem öffentlichen Pub aufhalten. Egal ob mit oder ohne Eltern. Und die Nord-Iren haben zudem noch alkoholfreie Zonen – Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten – wer sich erwischen lässt, darf sich über eine fette Geldbuße freuen.

Titanic Museum Belfast

Belfast ist nicht allzu groß. Die meisten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen hätten wir gut zu Fuß erkunden können, aber das Wetter war, wie erwartet, echt mies, insofern suchten wir uns eine Indoor-Location. Das Titanic Museum von Belfast.

Habt ihr gewusst, dass die Titanic in Belfast erbaut wurde? Die Belfaster sind auf jeden Fall irre stolz auf ihre „unsinkbare“ Titanic, die, als sie in Belfast losfuhr, ja auch noch fuhr! Das Museum ist schon von außen eine architektonische Augenweide, die Kanten des Gebäudes ragen steil in die Luft und viele Besucher fühlen sich an einen Eisberg erinnert.

Im Inneren kann man die größte Ausstellung zur Titanic mit allen Sinnen erkunden. An den Wänden und auf den Böden liefen Animationen und auf Touch-Screens berichteten viele Foto-, Video- und Audiosequenzen ausführlich vom Bau bis zum Untergang des Luxus-Liners. Es gab sogar eine 10-minütige „Gondel-Fahrt“, die aufzeigte, wie Arbeiter am Schiff gearbeitet haben. Für Kinder, Teenager und Erwachsene kurzweilige Stunden.

Am Lustigsten fanden wir jedoch einen Irish Dance Wettbewerb von 3 – 8 jährigen Kindern, deren Haare perfekt onduliert, in ihren schönsten Plastikkleidern extrem schräg und wie kleine „amerikanische Schönheitsköniginnen“ aussahen und die auf den Holzfußböden des Museums ihr Tanzbein schwangen und übten.

Eintritt: Erwachsene 17,50 £, Kinder unter 5 Jahren kostenlos.
Audioguides sind für 3 £ erhältlich.
Ticketvorverkauf: Schlauer ist es an regnerischen Tagen Tickets vorab online kaufen.

St. George Market – Food, Musik und Handcraft

Da es immer noch in Strömen goss, beschlossen wir den St. George Market mitten in der City zu besuchen. In dem schönen Marktgebäude von 1896 findet man freitags, samstags und sonntags frische, regionale, saisonale, handgemachte und nachhaltige Köstlichkeiten. Überall brutzelte es, hier ein leckerer Teigfladen mit Gemüse, dort ein saftiger Burger, daneben ein Stück Schoko-Lava-Brownie (Lus Favorit). Dazu sang noch ein Ire irgendwelchen bekannten Schmonzetten und wir alle waren glücklich … und dann auch irgendwann satt. Als endlich die Sonne herausbrach, machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg, um uns die berühmten Murals anzusehen.

Adresse: 12 – 20 East Bridge Street, Belfast, BT1 3NQ, Northern Ireland

Murals in Belfast – Streetart mit aktueller Geschichte

Die Murals (Wandbilder), die stillen Zeugen des Nordirland Konflikts, haben uns wahnsinnig interessiert – gerade unter dem Aspekt des baldigen Brexit.

Jahrelang haben sich pro-irische Katholiken und pro-britische Loyalisten bekämpft. Der Grund für die Auseinandersetzungen war die Frage, ob Nordirland weiterhin zu Großbritannien gehören, oder wieder mit Irland vereint werden soll. Der Kampf um die Unabhängigkeit begann 1916. Zahlreiche Menschen starben seitdem in dem Konflikt.

Erst 2005 wird er offiziell als beendet erklärt, dennoch schwelt es immer noch unter der Oberfläche. So sehr, dass sonntags der gesamte Peace-Wall, der den ehemaligen Krisenherd rund um die katholische Falls Road und die protestantische Shankill Road als Friedenslinie trennt, aus Sicherheitsgründen geschlossen ist. Auf der Suche nach einem Durchgang sind wir auf unterschiedliche Menschen getroffen. Schotten, die ebenfalls zu Fuß die Friedenslinie entlang gingen, Protestanten, Katholiken, einen netten Iren, der uns kurzerhand mit seinem Auto einmal rum fuhr, und und und … die wahre Kontaktbörse. Doch ist der Nordirland-Konflikt und auch die Angst vor den Folgen des Brexits in ihrer aller Leben allgegenwärtig.

Mit der Fähre nach Winterfell

Da wir für Belfast nur einen Tag eingeplant hatten, haben wir uns gleich morgens auf den Weg gemacht und sind an der Küste zurück Richtung Dublin gefahren. Die gesamte Küstenstraße führt am Wasser entlang und ist wirklich beeindruckend grün und satt. Immer wieder steht ein verfallenes Castle am Wegesrand. Besonders interessant fanden wir die „Feriensiedlungen“  – Trailerparks direkt am Meer. Die waren natürlich, da Nebensaison, wie ausgestorben.

In Portaferry angekommen haben wir mit einer Fähre (für nur 3 Pfund pro Person) übergesetzt. Von dort aus ist es nicht weit bis nach Castle Ward …

Der alte Teil der Schlossanlage „Castel Ward“ ist bekannt aus der Serie „Game of Thrones“ und diente als Filmkulisse für Winterfell.

Neben einer Führung durch das eigentliche Schloss bietet Castel Ward auch verschiedenste Game of Thrones Rundgänge über das ganze Gelände mit Stopps an den Drehorten. Man kann mit Pfeil und Bogen schießen oder an Schwertkämpfen teilnehmen. Der Eintritt kostete für uns als Familie 29 Pfund, die sich wirklich gelohnt haben.

Nach einem leichten Mittagessen im Schloss-Restaurant machten wir uns dann auf den Weg nach Dublin. Aber darüber berichte ich ab Donnerstag in meinem Dublin-Artikel.

Fotos: citymum.