Vamp, Arbeitsbiene, Supermama – was denn noch?

… aber Helikopter-Mutter: Bitte nicht!

Neulich hatte ich Besuch von einem Freund, der mehr oder weniger aus der Situation heraus sagte, dass ich eine Helikopter-Mutter wäre. Dieses Wort – ich bin tatsächlich zusammengezuckt und fühle mich nachhaltig getroffen. Denn natürlich ist diese Kritik nicht völlig abwegig und ich trage nicht immer mit meinem Verhalten dazu bei, dass meine Kinder selbstständig(er) werden. Aber:

  • Ich habe schon immer meine Kinder allein zur Schule gehen lassen.
  • Sie sind vergleichsweise früh allein mit der U-Bahn gefahren und auch allein zu Hause geblieben.
  • Ein Handy haben sie erst bekommen, als alle anderen schon zum Teil über Jahre eins hatten. Und ich sage nie, dass sie es mitnehmen sollen, um erreichbar zu sein, sondern eigentlich immer, dass sie es eher zu Hause lassen sollen.

Bin ich so wirklich eine Helikopter-Mama?

Und auch wenn ich erkennen muss, dass an dieser Kritik durchaus etwas dran ist und ich mir eventuell dann auch den Helikopter-Schuh (oder Propeller?) anziehen muss: Warum sind Mütter unabhängig davon, was sie tun, eigentlich immer sofort irgendwas? Die eine ist karrieregeil, die nächste völlig verpeilt, eine andere kümmert sich so gar nicht ums Kind und noch eine eben eine Heli-Mutter – während Väter eigentlich immer nur für alles gefeiert oder entschuldigt werden. „Nee, der Georg hat ja soviel zu tun bei der Arbeit, der kann sich nicht auch noch um Haushalt und Kind kümmern.“ – „Der Uli, der ist ja so toll, der macht an seinem einzigen freien Tag den Einkauf für die ganze Familie.“ Jakob geht einmal die Woche zum Schwimmen mit dem Sohn. Und Achim bringt seine Kinder an drei Tagen die Woche in die Kita. TOLL!

Ich bin also Heli-Mutter. Und soweit weg, wie ich sie gern hätte, ist diese Kritik wohl nicht. Aber trotzdem, mal im Ernst:

HABT IHR SIE NOCH ALLE?

In der Schule soll ich um 10:00 bereit stehen für die Leseförderung, um 12:00 als Begleitung zum Schwimmen am Start sein. Beim Schulfest ist natürlich Anwesenheitspflicht, das startet aber schon um 15:00. Um Spenden und Hilfe in der Cafeteria wird gebeten. Elternabende fangen um 18:00 an. Und wenn ich meine Kinder nach dem Hort nicht noch zum Fußball, Tanzen und Geigeunterricht bringe, sind mir meine Kinder und die Förderung ihrer Talente total egal. Dabei soll ich aber bitte eine tolle Karriere haben und mich auf gar keinen Fall überfürsorglich und wie eine Helikopter-Mutter verhalten.

Wie geht das? Sollen wir uns jetzt regelmäßig Urlaub nehmen, um am Vor- und frühen Nachmittag bei Schulveranstaltungen dabei zu sein und aushelfen zu können – ohne dabei die Karriere zu vernachlässigen, versteht sich? Und die Mama, die es sich tatsächlich einrichten kann, ist die dann nicht wieder diese Helikopter-Mutter, die bei allem dabei sein will und ihren Quark dazu gibt? Und die, die eben nicht dabei sein kann: was für eine Mutter ist sie?

Leute, was denn noch? Heiße Biene, tolle Karriere, aber bitte auch Vollblutmama – nur nicht zu doll oder was?

Es wird viele vielleicht erstaunen, aber auch unser Tag hat nur 24 Stunden. Und wenn wir da von A nach B hetzen, einen guten Job machen wollen, dabei auch noch gut aussehen und uns nicht zuletzt von Herzen gern um unsere Kinder kümmern wollen, die NICHT wie früher um 13:00 aus der Schule kommen und von Muddi bekocht werden, sondern aufgewärmten Schlangenfraß in der Schule kredenzt bekommen … die nicht am Küchentisch ihre Hausaufgaben machen, während Mama die Küche putzt, sondern mit 30 Kindern in einem Raum sitzen und sich selbst darum kümmern müssen, was ihre Aufgaben sind … die nicht nach den Hausaufgaben mit ihren Freunden auf der Straße spielen bis es dunkel wird, sondern oft erst im Dunkeln aus dem Hort nach Hause kommen … Versteht mich nicht falsch: ich finde es gut und wichtig, dass Kinder selbstständig sind und werden. Und ich finde Helikopter-Eltern (ohja, es gibt nämlich auch die Väter) doof.

Aber kann ich nicht in manchen Momenten meinen Kindern etwas Gutes tun, einfach nur so, obwohl sie es selbst machen könnten?

Und: kann ich nicht einfach ich sein – mit all meinen Stärken und Schwächen? Kann ich nicht einfach vieles ganz toll machen als Frau, Freundin, Mitarbeiterin und Mutter und vieles total doof und zum Teil auch falsch? Kann ich das nicht machen, ohne gleich sofort irgendwas zu sein? Was genau sind die Kriterien für eine Helikopter-Mama und was für eine gute, schlechte oder was-weiß-ich-was-Mama?

Mitarbeiter-Gespräche im Job nerven manchmal ganz schön. Aber sie finden in der Regel nur 1-2x im Jahr statt. Als Mutter ist man der Bewertung immer ausgesetzt. 24 Stunden am Tag. Und von jedem. Oma, Tante, Onkel, Freundin, Nachbar, Erzieher, Lehrerin oder einfach nur der Mensch auf der Straße. Warum?

 

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