Citytripp: Florenz mit Kindern

Eine Städtereise mit Kindern ist ja schon so eine Sache, aber auch noch eine Stadt wie Florenz mit Kindern? Ein Hotspot der Kultur und Geschichte, immer überlaufen von Touristen und dann auch noch per Flugzeug eher nur mittel zu erreichen – jedenfalls von Hamburg aus? Ich sage eindeutig: aber natürlich! Es ist wie immer nur eine Frage, wie man solch eine Reise plant und welche Erwartungen man an sie hat.

Ich liebe Florenz. Als jüngerer Mensch habe ich hier sogar eine Zeit lang gewohnt. Und danach bin ich mehrmals im Jahr dorthin geflogen, um Freunde zu besuchen und einfach in der Stadt meines Herzens zu sein. Das war noch, als wir uns alle über die Billigflieger freuten, die wie Pilze aus der Erde wuchsen. Jetzt in einer Zeit, in der wir uns sehr viel mehr Gedanken machen, ob es wirklich notwendig ist, mit dem Flugzeug zu reisen, war ich nun wirklich lange nicht mehr da. Und Florenz mit Kindern habe ich noch nie gemacht. Es wurde also allerhöchste Zeit, dies anzugehen. Und auch wenn es soooo viele Läden nicht mehr gibt, die ich früher so sehr mochte. Auch wenn die Stadt unfassbar überlaufen ist von Touristen, so sehr, dass man inzwischen Kurtaxe bezahlen muss, wenn man hier verweilt. Auch wenn die Schlangen eigentlich überall viel zu lang sind und man in jedem guten Restaurant reservieren sollte. Und auch wenn die meisten meiner hier lebenden Freunde schon seit Jahren nicht mehr in die Stadt reinfahren – eben weil es so überlaufen ist, war mein Florenz mit Kindern BELLISSIMO!

An die Planung. Fertig. Los.

Wie bereits erwähnt überlegen wir uns inzwischen 3 x, ob wir ein Flugzeug besteigen. Und da wir in diesem Jahr auch schon in die USA geflogen sind (Bericht folgt), haben wir für Florenz aufs Fliegen verzichtet. Wir fuhren mit dem Zug. Und das war am Ende sogar mit Zwischenstopp und Hotelübernachtung in München genau so teuer, als wären wir geflogen – und dann noch mit dem Benefit, mal wieder in München gewesen zu sein.

In Deutschland fahren Kinder bis 14 Jahren umsonst mit der Deutschen Bahn. Das ist schon ein ziemlich fetter Deal. Und wenn nicht gerade Messe ist, kriegt man z.B. im Motel One als Familie recht gute Konditionen – und auch Beistellbetten sind unkompliziert mitbuchbar. Das mag ich.

Benvenuti a Firenze

Wenn man eine echte Städtereise plant, sollte man dringend über airbnb eine schöne, zentrale Wohnung suchen. Carol’s Rooftop z.B. ist SUPERschön und liegt MEGAzentral. Aus den Fenstern kann man nahezu alle Sehenswürdigkeiten sehen: Piazzale Michelangelo, San Miniato, Palazzo Vecchio, Santa Croce … Ein Traum! Dazu ist sie unfassbar schön und modern eingerichtet und die Vermieter sind supersupernett und unkompliziert.

Eat Spaghetti to forgetti your regretti

Ich bin kein Freund der vielen, vielen Restaurants in der Innenstadt. Diese sind für Touristen gemacht. Das ist nicht nur anhand der Preise klar zu sehen, sondern man kann es auch schmecken. Echte Fiorentiner Küche is(s)t anders.

Gute Restaurants, in die Einheimische gehen, kann man anhand der Speisekarte erkennen: Sie ist – man staune – italienisch. Und nur italienisch.

Meine Tipps:

  1. Die trattoria casalinga in Oltrarno: ein Familienunternehmen mit „echtem“ italienischen Essen, jeder Menge „echter“ Atmosphäre inklusive rot-weiß karierter Papiertischdecken und tagheller Beleuchtung (Italiener sind ja vielleicht romantisch, beim Essen wollen sie aber sehen, womit sie s zu tun haben)
  2. Focaccia oder Panino kauft man am besten in einem der eher urigen, kleinen Läden, in denen ein Schinken an der Decke hängt und in dem man neben Käse, Wurst und Brot auch noch die kleine, typische Espressokanne kaufen kann
  3. Mein abolsuter Megageheimtipp: das Le Lune Firenze – etwas oberhalb in Richtung Fiesole, aber recht easy mit dem Bus vom Hbf zu erreichen, ist dieses neue Restaurant auf dem Gelände einer Gärtnerei eröffnet worden. Man sitzt in einem alten Gewächshaus. Und man isst: fantastisch! Regional, bio und Fleisch von eigenen Kühen, die in einem Agriturismo des Inhabers ein sehr schönes Kuhleben leben (Barbialla Nuova – unbedingt ebenso eine Reise wert).
  4. Niemals – ich wiederhole: NIEMALS – sollte man sich ein Eis an der Pontevecchio kaufen, es sei denn, dass man 10,- € pro Person bereit ist zu zahlen. Lecker ist es. Aber das ist es auch ein paar Straßen weiter zu einem Bruchteil des Preises.

Kultur und Geschichte

Florenz ist der Inbegriff von Kultur und Geschichte. Florenz mit Kindern bedeutet allerdings: lieber weniger, als mehr. Kinder sind definitiv beeindruckt von all den Riesengebäuden, von ihren Verzierungen und verstehen auch schon in sehr jungen Jahren, wie außergewöhnlich diese Bauwerke sind gemessen an den damaligen technischen Möglichkeiten.

Schlangestehen mit Kindern ist aber nicht witzig. Und auch die vielen Museen sind zum Teil zwar interessant, wenn man sie für Kinder „aufbereitet“, aber echtes Kinderprogramm sind sie sicher nicht. Aber: die Giardini di Boboli sind superschön mit Kindern anzusehen und auch die vielen Fresken in den eher unbekannten Kirchen mit freiem Eintritt in Oltrarno (Santo Spirito z.B.) sind für mich sowieso viel schöner, weil „echter“.

Und noch ein Tipp für diejenigen, die sich denken: „Ach, dann mache ich halt eine Kutschfahrt. Das lieben die Kids, und ich erfahre etwas über Florenz.“ Das ist nur zum Teil richtig. Nämlich das „das lieben die Kids“, denn wirklich viel werdet ihr von den meist nicht wirklich Englisch sprechenden Kutschern nicht erfahren. „On the right is a very old building“ wird meist gefolgt von „On the left, also very, very old“. Also: nice to do, weil nice to Kutschefahren, aber in Sachen Kultur sicher eher zu vernachlässigen.

Arrivederci und a presto?

Unbedingt. Die Zeit, ein verlängertes Wochenende, war viel zu kurz. Aber für einen reinen Florenz-Tripp genau richtig.