Mama-Wochenende in Sevilla

Ein verlängertes Wochenende mit der besten Freundin und ganz viel Gin Tonic, dass war längst überfällig. Hier ein kurzer Bericht meiner Top-Anlaufpunkten – nur für alleinreisende Mütter, frei unter dem Motto: Sevilla ohne Kinder!

Der Flug war schon herrlich entspannend. Kein „Mir-ist- langweilig“, „Wie-lange-fliegen-wir-noch“ und „Warum-krieg-ich-keine-Geschenketüte-mehr“-Fragen. Nur lesen, schlafen, quatschen. Selbst der Sitznachbar schlief und Kleinkindergeschrei war auch nicht zu hören. Denn alles was „kinderfreundlich“ und „familiengerecht“ ist, wollte ich an diesem Wochenende definitiv nicht haben.

Wie man sich bettet

Als Unterkunft fiel unsere Wahl auf ein wunderschönes, kleines und modernes Hostel in der Altstadt von Sevilla, dem Black Swan Hostel, dass fußläufig zu allen interessanten Spots der Stadt liegt. Wir haben statt Mehrbettzimmer ein Doppelzimmer mit eigenem Bad, Dachterrasse, Klimaanlage und kostenfreiem WLAN gebucht.

Da wir abends anreisten, war unser erster Anlaufpunkt ein Sundowner in einer der Rooftop-Bars rund um die Kathedrale. Wir haben in den vier Tagen unserer Reise einige ausprobiert, allerdings auch mal 24,00 EUR für einen, mit Gummibärchen bestückten, Gin Tonic bezahlt. Gut, den Blick zahlt man mit. Unser Favorit war „la Terazza de EME“, auf der wir dann lustiger weise auch unseren schweigsamen Sitznachbarn aus dem Flugzeug – ein seit Jahren in Sevilla lebenden Deutschen – wieder trafen. Er gab uns den Tipp am nächsten Abend nach La Alameda zu gehen. Place to be für Alleinreisende Mütter.

 

La Alameda de Hércules

La Alameda ist ein großer, offener Platz in der Nähe des Stadtzentrums. Wie Soho in London oder El Raval in Barcelona ist La Alameda in Sevilla eine unglaublich gute Mischung aus kreativer Szene, hippen Läden, hervorragenden Restaurants und multikulturellen Angeboten – vor allem am Abend. Wir fühlten uns sofort heimisch und nach leckersten Tapas und Livekonzert mitten auf der Plaza sind wir noch ein wenig länger geblieben und haben einfach nur „gecornert“ – ein Glas Wein aus einer Bar und vor der Tür Menschen aus aller Welt getroffen.

Die Kathedrale, Alcázar und Giralda

Nicht nur bei Nacht ist die Kathedrale, Alcázar und Giralda wunderschön, auch tagsüber lohnt sich ein Spaziergang um sie herum. Wer hinein möchte, muss leider eine sehr lange Schlange in Kauf nehmen und viel Zeit mitbringen, daher mein Tipp: Wer sich die Schlangen ersparen möchte, der bucht sich Tickets online.

Um die Kathedrale herum liegt der Stadtteil Santa Cruz, das ehemalige jüdische Viertel von Sevilla. Durch Zufall entdeckten wir in dem alten Viertel, dass ein Labyrinth aus engen Straßen und Gassen ist, ein kleines „süßes“ Juwel: das Turrón-Nougateiner Süßigkeiten-Manufaktur, in dem „live“ himmlische Leckereien aus Mandeln, Schokolade und Nugat hergestellt werden. Natürlich alle zum Probieren!

Plaza de España, Star Wars lässt grüßen

Gibt es nicht in jeder spanischen Stadt einen Plaza España? Die Plaza España liegt etwas außerhalb des Zentrums, ist aber fußläufig in 20 Minuten vom Zentrum aus gut zu erreichen. Da es im Mai mit 26 Grad schon sehr warm war und wir gern unsere Füße im Wasser baden wollten, haben wir uns auf den Weg gemacht und den beeindruckendsten aber auch kitschigsten Platz der Stadt zu besuchen. Die Plaza España ist halbkreisförmig angeordnet und soll eine Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch Spanien darstellen. Wer Lust hat, kann auf dem kleinen Kanal sich ein Boot leihen und eine Szene aus Star Wars nachspielen.
O no, nun sind wir gedanklich doch wieder bei den Kids.

Kulinarisches im Mai

Wer Schnecken mag, kommt in Sevilla voll auf seine Kosten, was dem Deutschen der Spargel sind dem Spanier die Schnecken. Sie sind im April und Mai eine der Hauptattraktionen auf den Speisekarten. Alljährlich kann man dagegen in einen der vielen „Feierabend-Bars“ einen Teller Gambas mit einem Glas Bier oder Wein naschen. Vollkommen unkompliziert, gleich mit Mülleimer unter jedem Stehtisch. Muss man mögen. Wir fanden es toll.

Flamenco, Fiesta und Prozessionen

Mir gefielen vor allem die exotischen Flamenco-Tänzerinnen, die an jeder zweiten Straßenecke zu finden waren sowie die abendlichen Fiestas und Prozessionen. Denn obwohl wir Mai hatten, übt jede Kirche in Sevilla für die heilige Osterwoche, die Semana Santa. Jede Kirche hat ihre eigenen Pasos, das sind Statuen von Jesus oder Maria auf einer rechteckigen Holzplatte, sie sind einige Hundert Kilo schwer und meist aus echtem Gold und Silber! Es ist beeindruckend, wie viele starke Männer es braucht, um diese Statue zu heben, und die dramatische Musik ist schon von Weitem zu hören.

Wir haben uns fest vorgenommen, auch im nächsten Mai wieder, ein verlängertes Wochenende für Alleinreisende Mütter zu machen. Wahrscheinlich geht es dann nach San Sebastian. Ich freu mich schon jetzt drauf.