Tik tok, tik tok …

Kaffeetasse

Die Zeit rennt. Irgendwie immer. Kaum klingelt morgens der Wecker, liegen wir abends schon wieder erschlagen auf dem Sofa. Dazwischen? Schule, Kita, Job, Fußball, Tanzen, Einkaufen, Essen machen, Wäsche waschen, Betten beziehen … Kids-Dates kriegen wir in dieser ganzen Taktung irgendwie noch unter, vielleicht sogar ein wenig Beziehungspflege – Freundinnen und Familie fallen aber viel zu oft hinten runter. Keine Zeit. Keine Kraft.

So oder so ähnlich sieht auch bei mir der Alltag aus. Nach der Arbeit schnell noch das Kind zum Sport gebracht, dem anderen Kind bei den Hausaufgaben geholfen … und dann ist nur noch knapp Zeit, um fürs Abendbrot einzukaufen. Also schnell dort hingehetzt, alles in den Korb geschmissen (wie immer mehr, als gedacht) und ab an die Kasse. Puh, geschafft. Hinter mir steht ein Mann mit nur einem Stück Butter. Er wippt zu Musik, obwohl er keine Kopfhörer aufhat. Ich frage ihn, ob er vor möchte. Schließlich bin ich ein freundlicher Mensch, und er hat nur ein Stück Butter. Er lächelt mich an und sagt: „Nein danke, ich habe Zeit.“

Völlig überrascht schaue ich ihn an. Wer hat denn bitte schon Zeit? Und dann, um an der Kasse anzustehen?

Nachdenklich gehe ich nach Hause. Genau, richtig gelesen, ich gehe, ich hetze nicht. Denn was ist eigentlich los mit mir? Ich renne ab dem Zeitpunk, an dem ich aufstehe, durch den Tag. Ich schaue nicht links, ich schaue nicht rechts, ich höre manchmal nicht zu und lache viel zu wenig. Warum? Weil so viel zu tun ist … Was war das noch mal, was ich so viel machen muss? Arbeit – ok, Schule/ Hausaufgaben – ja, aber alles andere? Muss ich wirklich HEUTE noch die Wäsche machen? Und muss ich heute Abend wirklich noch kochen oder reicht nicht einfach auch das Brot, das wir noch haben?

Zu Hause angekommen, lasse ich die Einkäufe stehen und mache mir erst einmal einen Kaffee – es ist eigentlich viel zu spät dafür, aber ich gönne sie mir jetzt diese kleine Auszeit. Dann rufe ich meine Oma an. Das mache ich nie, denn um mit ihr zu telefonieren brauche ich Zeit und etwas Ruhe. Beides habe ich in der Regel nicht.

Vor dem Abendbrot spiele ich mit den Kindern noch eine Partie Mensch-ärgere-dich-nicht. Das macht Spaß – ich weiß gar nicht, wann wir das das letzte Mal gemacht haben? Dann gibt es Brot. Meine Tochter grummelt ein bisschen (sie mag kein Brot), aber es ist nicht so schlimm. Sie hat noch gute Laune vom Spielen.

Und etwas später als sonst gehen die Kinder dann ins Bett – mit dem Gefühl, dass wir Zeit miteinander verbracht haben. Lächelnd packe ich endlich die Einkäufe aus. Es ist schon ganz schön spät. Dann nehme ich die Wäsche ab, damit meine Liste nicht morgen noch länger wird, als sie eh schon ist. Ich räume auf und beziehe die Betten. Ich mache alles, was ich schon vorher hatte machen wollen. Aber ich lächele, ich hatte einen schönen Abend. Und müde bin ich auch nicht – meinem kleinen Auszeit-Kaffee sei Dank!

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