Gastfamilie werden

YFU Gastfamilie

In der Familie meiner Freundin ist es soweit. Ihr Großer macht das erste mal über die Schule einen Schüleraustausch. Paul wird für zwei Wochen nach England gehen. Im Gegenzug kommt dann – Junge oder Mädchen, wahrscheinlich eher ein Mädchen, da es von denen laut der Aussage meiner Freundin mehr Anmeldungen gibt – ein Teenager zu ihnen. Auch für 2 Wochen. Kopfkino ist nun angesagt, denn auch wenn der Termin erst im nächsten Frühjahr, also in einem Jahr ist, wird jetzt schon geplant und Betten geschoben. Klar. Das Mädchen braucht auf jeden Fall ein eigenes Zimmer. Ihre beiden Jungs teilen sich dann für 2 Wochen das andere. Alles eine super Übung, denn die eigentliche Idee ist es, Gasteltern für ein Jahr zu werden.

Und das sagt Wikipedia über Gastfamilien:

Eine Gastfamilie ist eine Familie, die einen ortsfremden jungen Menschen für eine bestimmte Zeit im Rahmen eines Schüleraustausches oder eines Auslandsstudiums  aufnimmt.

Gastfamilien tun dies in der Regel unentgeltlich und freiwillig, um Personen aus anderen Kulturen und Sprachräumen kennenzulernen, ihren Kindern den langersehnten Bruder-/Schwesterwunsch (auf Zeit) zu erfüllen oder einfach nur aus gutem Zweck.

Dazu gibt es natürlich ein paar Regeln. Und um mal bei YFU – Youth for Understanding – zu bleiben, über die ich ja schon einen Artikel geschrieben habe, sind das gar nicht mal so viele.
Denn grundsätzlich kann jede Familie und jedes Paar einen 15-18 jährigen Austauschschüler beherbergen. Paare mit und ohne Kindern, sogar Alleinerziehende, wie auch Alleinstehende, Rentner oder homosexuelle Paare sind willkommen. Was am meisten zählt, ist die herzliche Aufnahme in die Familie!

So und nun denkt man sich doch erstmal: was ist, wenn die Chemie nicht stimmt?
Wenn der Jugendliche so verwöhnt ist, dass er permanent seine Wäsche im Bad liegen lässt, wenn er falsche Freunde mit nach Hause bringt, wenn er lügt, Drogen nimmt …

Himmel, ja, man kann es auch übertreiben. In erster Linie sind die Austauschschüler doch Teenager, die Interesse an Deutschland haben. Denn das ist das Land ihrer Wahl. Und sie haben auch Interesse daran, andere Kulturen kennen zu lernen und das in einer familiären Komfortzone.

Man kann sich ja langsam vortasten, man muss einen Schüler nicht für die vollen 5-11 Monate aufnehmen, sondern hat folgende Möglichkeiten:

Als Ankunftsfamilie nimmt man einen Austauschschüler für die ersten drei Monate auf. Anschließend wechselt er in eine Jahresfamilie oder die Ankunftsfamilie entscheidet sich, ihn doch für die gesamte Zeit aufzunehmen.

• Die Ersatzfamilie – springt ein, wenn in der eigentlichen Gastfamilie zwischen Schüler und Familie die Chemie nicht stimmt. Oder dann doch …

• Die Gastfamilie – für die gesamten 5-11 Monate

Was muss ich als Gastfamilie bieten?

Es muss keine 150m2 Wohnung sein, das ist schon mal klar. Wichtig ist, dass sich das Kind wohl fühlt. Es muss also weder luxuriös noch das eigene Zimmer sein. Manchmal kann es viel interessanter sein, sich ein Zimmer mit einem gleichaltrigen und gleichgeschlechtlichen Gastgeschwisterteenager zu teilen. Dazu kommen dann noch drei Mahlzeiten am Tag. Aber das ist ja wohl selbstverständlich. 

Bekomme ich meinen Aufwand bezahlt?

Wie schon bei Wikipedia steht: Als Gastfamilie kommt es nicht darauf an, sich an einem Gastkind zu bereichern. In dem Fall meiner Freundin ist der Ansatz, dass ihre Familie einem jungen Menschen aus einem anderen Land für eine absehbare Zeit ein zweites Zuhause bieten möchte, ausschlaggebend. Quasi auch im Gegenzug zu dem Besuch des eigenen Kindes im Ausland. Man bekommt also keinen monatlichen Scheck, dafür das Gefühl etwas Gutes zu tun und sein eigenes Leben und das Leben des Gastteenies zu bereichern. Die Kosten für die tägliche Verpflegung wird übrigens nicht vergütet. Für alle weiteren alltäglichen Ausgaben des Gastkindes jedoch, also z.B. Taschengeld, Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Kleidung, kommen die leiblichen Eltern oder in Einzelfällen YFU auf.

Kann ich das neue Familienmitglied aussuchen?

Ja, das geht. Vorab trifft allerdings YFU eine Vorauswahl, die im Rahmen der Angaben, die ihr auf dem Anmeldeformular gemacht habt, vorliegen. Gemeinsame Interessen werden hierbei berücksichtigt. Mit dieser Auswahl kann man dann überlegen in Ruhe beratschlagen, welcher Schüler am besten in Ihre Familie passen könnte. Alternativ könnt ihr auf der Website von YFU einige der Austauschschüler bereits kennenlernen und schauen, wer zu euch passen könnte.

So, vielleicht hat ja jemand von Euch Blut geleckt. Ich werde mir das auf jeden Fall jetzt noch länger durch den Kopf gehen lassen und auf jeden Fall berichten, wie es meiner Freundin mit ihrem Gastkind ergeht. Wer weitere Informationen benötigt, der findet diese yfu.de/gastfamilie-werden/.

Bildquelle: citymum