Tellonym – Anonyme Botschaften unter Teenagern

Wir hatten letzte Woche Elternstammtisch. Glücklicherweise kommen zu dieser Zusammenkunft wirklich nur nette Menschen, hauptsächlich Mütter… die Väter trauen sich vor soviel Einigkeit wohl nicht. Wir sitzen bei einem Glas Wein und Snacks in einem Restaurant und tauschen das aus, was unsere Kinder uns jeweils nur Häppchenweise zuteilen. Jeder steuert ein bisschen Wissen bei. Der letzte Aufschrei an dem Abend kam von einer Mädchenmutter, die panisch über die Online Platform Tellonym ihrer Tochter stieß. „Tello… was?“ Keiner aus unserer Runde war der Name bekannt und so fing ich an, zu recherchieren.

Auf Tellonym schreiben sich hauptsächlich Teenager anonyme Bewertungen und Botschaften, die sie sich meist nicht trauen persönlich mitzuteilen.

So gehts:
Man registriert sich mit seiner E-Mail, erhält einen personalisierten Link und postet diesen z.B. über What’s app, Instagram etc. Alle, die diesen Link erhalten, egal ob angemeldet oder nicht, können nun anonyme Kommentare und Bewertungen schreiben.
Diese Nachrichten sind erst einmal nur für den User sichtbar. In dem Moment jedoch, in dem er auf eine Message antwortet, ist die Nachricht und der Kommentar für ALLE sichtbar, wie auf einer Pinnwand. Im Ernst jetzt?

„Was denken andere über mich?“

Was soll das? Was ist für die Teenies so toll daran, anonym bewertet zu werden?
Das erinnert mich etwas an die harmlosen kleinen Zettelchen, die man zu meiner Zeit durch die Sitzreihen in der Schule schickte: „Willst du mit mir gehen? Ja, nein, vielleicht?“
Auch heutzutage finden die Kids es spannend, kleine Nachrichten zu bekommen, bei denen sie eben nicht sicher sein können, von wem diese stammen. Erhoffen sie sich Geständnisse wie: „Ich bin so verliebt in dich, trau mich aber nicht, dir das zu sagen?“

Tellonym kann also ein Ort für Komplimente sein, ok, aber ist es nicht auch so, dass die Anonymität des Internets auch das Schlechteste aus einem Menschen herausholen kann?

Ein Ort um Beleidigungen auszusprechen, zu mobben, sexuell zu belästigen..

Als ich Lu dazu befragte, ob sie diese Platform kennen würde, meinte sie, dass ganz viele ihrer Freundinnen die App haben und sie auch nutzen. Sie meinte, dass es aber auch die Möglichkeit gibt, nur Nachrichten von registrierten Benutzern zuzulassen. Man könne dieses in seinem Account einstellen. Dann zumindest, so habe ich wiederum recherchiert, kann bei strafbaren Handlungen über den Betreiber die IP-Adresse festgestellt werden. Aber dann ist das Kind ja schon in den Brunnengefallen.

Wenn es nicht so bitter wäre:
Tellonym bietet den verstörten Eltern tatsächlich Hilfe an. Fragen wie:

• Was kann ich tun, um meinen Teenager auf Tellonym zu beschützen?
• Was kann ich tun, wenn mein Teenager unangebrachte oder unerwünschte Nachrichten bekommen hat?
• Wie kann ich meinen Teenager davon abhalten Tellonym zu nutzen?

werden im Safety Center für Eltern erörtert.
Und was auch noch wichtig ist:
Tellonym ist ab 13 Jahren mit Erlaubnis der Eltern und über die Registrierung von iOS Geräten erst ab 17 Jahren.