YFU – Gemeinnütziger Schüleraustausch

Schüleraustausch Globus

My english is ähnlich middle wie das von Andje … ich kann Lu zwar noch wunderbar bei den Hausaufgaben helfen, Grammatik war ich immer super, ja ich hatte sogar Englisch Leistungskurs, aber ich bin weit davon entfernt so richtig fluently mit einem Nativspeaker zu reden. Außer, ich habe ein bis zwei Wein getrunken, dann läufts. Was mir wirklich immer fehlte war der Schüleraustausch im Ausland und das nicht nur der Sprache wegen.

By the way: als ich neulich das Buch Alle Toten fliegen hoch: Amerika von Joachim Meyerhoff las und er sein Erlebnis bei der Bewerbung zu einem Austauschjahr in den 80er Jahren beschrieb, erinnerte ich mich daran, dass auch meine Eltern begeistert und zahlungswillig waren, mich in die Ferne zu schicken. Nur ich wollte nicht. Schön blöd, sag ich mir heute … und ja, auch das hatten meine Eltern vorhergesehen: ich würde es später bereuen.

Meine Freundin Kiki hat inzwischen zwei ihrer drei Kinder ins Ausland geschickt. Das eine, Evi, landete als Blondine im Township von Johannisburg/ Südafrika, das andere ist grade in Texas auf einer Farm – so mitten im Off. Angefixt von all den Stories ist bei uns ein Auslandsjahr eventuell auch ein Thema. Andere Kultur (Texas?), andere Stimmungen (Township?), überhaupt andere Menschen und Familien finde ich M.E.G.A. Nur findet Lu das in der 9. oder 10. Klasse auch oder ist sie wie ich ein Schisser?

Doch was gibt es für Möglichkeiten? Eine weitere Bekannte hatte z.B. ihre Tochter 6 Monate in England auf einem „Elite-Internat“ a la Harry Potter. Dort flog montags auch gern mal der Hubschrauber mit einem kleinen Lord ein. Über die Kosten dieses Aufenthalts möchte ich lieber nicht reden. Das liegt jenseits von Gut und Böse. Wer will und kann sich sowas bitte leisten?

Welche Organisation ist die beste?

Kiki arbeitet inzwischen ehrenamtlich für die gemeinnützige Organisation namens YFU, mit der sie auch ihre beiden Kinder „verschickt“ hat. Mit den Austauschprogrammen erzielt YFU, anders als viele andere, keinen finanziellen Gewinn. Das hört sich doch schon mal gut an. Die ausgesuchten Gastfamilien möchten ihre eigene Kultur vermitteln und integrieren den Austauschschüler wie ein neues Familienmitglied in ihren Alltag. So hatte z.B. Kiki in ihrer eigenen Familie auch eine Austauschschülerin, Aoi, aus Japan. Die war wirklich putzig. Als Aoi in Deutschland ankam war ihr Lieblingsessen Sushi, als sie abflog Lasagne. Es geht also um das gemeinsame Familienleben in einer anderen Kultur, einer völlig neuen Umgebung, um neue Perspektiven auf die Welt kennen zu lernen.

In welchen Alter macht der Auslandsaufenthalt Sinn?

Eine Bekannte hat mir grade erzählt, dass ihre Tochter in der 8. Klasse schon für 3 Monate einen Austausch macht. Hui, mit 13 1/2, das finde ich sportlich. Jugendliche ab 15/16 sind meines Erachtens besser gewappnet für die Herausforderungen im Austausch und offen und flexibel genug, um sich wirklich auf neue Gegebenheiten einlassen zu können. Also 9./10. Klasse ist ok. Und klar: grundsätzlich sollte natürlich auch nicht das Lernen der Sprache als Hauptmotivation für das Auslandsjahr stehen. Bei YFU steht ganz klar der kulturelle Austausch im Vordergrund, die Sprache lernt man dann ohnehin nebenbei. 

Wie läuft das mit der Bewerbung?

Das Bewerbungsverfahren für das YFU-Austauschprogramm ist kostenlos und unverbindlich.

Als erstes bewirbt man sich schriftlich. Zur Auswahl stehen übrigens 30 verschiedene Länder. Da hat man die Qual der Wahl. Man sollte aber gerne auch ein bis zwei weitere Länder als Alternative angeben. Manche Länder sind so begehrt, dass es laut Kiki manchmal schwierig ist die Erstwahl zu bekommen.Auch entscheidet man sich immer nur für das Land, man hat keinen Einfluss darauf wohin es letztendlich geht. So kann man nicht gezielt Surf-Spot, Pferderanch oder New York angeben. Man sollte grundsätzlich offen sein für das, was einem dann angeboten wird und sich vor allem beim Ausfüllen des Fragebogens treu bleiben. Fakt ist aber, dass Australien und Neuseeland wesentlich teurer sind, als der Rest der Welt.

Beliebtestes Gastländer Deutschlands 2017

Das Auswahlgespräch, zu dem man eine Einladung ca. drei Wochen nach Eingang der Bewerbung bekommt, findet an zahlreichen Terminen in ganz Deutschland statt. Das Kennenlerngespräch dauert etwa zwei bis zweieinhalb Stunden und wird auf Deutsch geführt. Evi hat mir erzählt, dass sie auch oft bei den Auswahlgesprächen ehrenamtlich mithilft. Dort kann man dann auch ganz schnell die Spreu vom Weizen trennen. Denn nicht jeder Jugendliche möchte aus eigenen Stücken ins Ausland. Viele werden von den Eltern gepuscht oder wollen sich lediglich einen faulen Lenz machen. Die kommen natürlich nicht weiter.

Wer ein paar nähere Details über YFU erfahren möchte, für den gibt es sogar die Möglichkeit zum Besuch eines Infoabends.
Ich finde das schon extrem spannend. Ich bin gespannt, wie Lu sich in 2 Jahren entscheidet.

Wer sich noch weitere Infos wünscht, für den habe ich eine Studie gefunden.

Bildquelle: citymum