Welche Schule für mein Kind?

Einschulung mit Luftballons

Vor 8 Jahren standen wir vor der Frage, auf welche Schule kommt unser Kind. Meine bereits erfahrene Schwägerin mit zwei schulpflichtigen Kindern, meinte relativ lässig:

Wieso, ihr habt doch diese tolle Reformschule bei Euch um die Ecke. Dort hab ich auch versucht meinen Jüngsten einzuschulen, aber leider kein Platz bekommen. Versuch es doch dort.

Reformschule. Das sagte mir bislang nichts.

Ich dachte immer: erst kommt Lu in eine klassische Grundschule, dann auf eine weiterführende Schule, je nach Leistung auf die Stadtteilschule oder aufs Gymnasium. So schwer kann das doch nicht sein. Ist es aber. Zumindest in Hamburg. Fangen wir mal an. Die erste Frage war nämlich:

Welche Grundschule wird uns zugewiesen?

Ja, denn wir dürfen in Hamburg leider nicht einfach selber bestimmen, in welche Schule unser Kind gehen soll, die Schule wird je nach Wohnort zugewiesen. So hatte Lu ihr „Vorstellungsgespräch“ zur „Schuleingangsuntersuchung“ in einer Schule, die zwar bei uns gegenüber liegt, wir aber nicht in der engeren Wahl hatten. Es blieb uns also nur die Möglichkeit diese Schule zu nehmen, umzuziehen oder auf eine Privatschule zu gehen.
Letzteres haben wir dann tatsächlich in Betracht gezogen.

Privatschule, das kostet

Die in Hamburg sehr populären alternativen Schulformen wie Waldorf, Bugenhagen und Montessori arbeiten auf privater Ebene, werden also nicht vom Staat unterstützt und müssen daher Schulgeld verlangen. Die Idee:

Jedes Kind wird nicht nur individuell wahr genommen, sondern auch gefördert. Bei der Bugenhagenschule evangelisch, inklusivv und reformpädagogisch.

Das hat uns überzeugt. Zumindest bis Ende Klasse 5. Diese Privatschule war eine eine Stadtteilschule, die bis zum Abitur führt, und die Leistungsempfehlung der Lehrer, die eigentlich in der 4. Klasse erfolgt, kam nur zögerlich auf Nachfrage. Klar. Es handelt sich schließlich um eine Privatschule, die wirtschaftlich arbeiten muss und finanzkräftige Eltern für deren Finanzierung benötigt.

Uns stellte sich die Frage nach einem Wechsel auf das Gymnasium tatsächlich erst einmal nicht. Lus Lehrer waren im Gespräch immer nett und freundlich, haben unser Kind sehr gelobt. „Du machst das super!“, „Alles ist toll.“ „Hat Ihnen Lu erzählt wie gut sie … und dass sie … “
Wir dachten tatsächlich, alles läuft bestens und Lu ging fröhlich in die Schule. Wir hatten zwar nie Einblick in die Schulunterlagen, bekamen nie Noten im Zeugnis zu sehen und wurden auch nie in die Schule zitiert – das fröhliche „super“ hat uns total beruhigt. Bis zu dem Tag, als Lu es laut aussprach:

„Ich möchte die Schule wechseln. Mir ist langweilig, ich habe nur zwei gleichaltrige Mädchen in meiner Klasse und es ist immer so laut.“

Ok, gesagt getan. Kurz vor dem Übergang in die 6. Klasse mussten wir uns nach Alternativen umsehen.

Wechsel auf die Stadtteilschule, aufs Gymnasium oder doch auf der Privatschule bleiben?

Wie war das noch gleich mit der bindenden Lehrerempfehlung? Hat Euer Kind eine Gymnasialempfehlung bekommen? Dann stellt sich bei uns in Hamburg immer noch die Frage:
will ich meinem Kind tatsächlich G8 (12 Jahre bis zum Abitur) antun? Abi ist doch Abi.
Das war zumindest mein erster Gedanke. Leider ist es auch hier wieder Wohnort abhängig.

Die Stadtteilsschule (Gesamtschule)

Die Stadtteilschule ist eine Zusammenschluss aus Haupt-, Real- , Gesamtschulen und den Aufbaugymnasien. Sie bietet alle Schulabschlüsse bis zum Abitur und ist eine super Alternative zum Gymnasium, da sie in 13 und nicht in 12 Jahren zum Abi führt.
Die Schule, die wir für Lu ausgesucht hatten, war leider die Schule mit Hamburgs größten Schülerzulauf. Ein Telefonat mit dem zuständigen Unterstufenkoordinator brachte mir rein gar nichts. Er meinte, die Schule sei so überfüllt, außerdem gehören wir nicht zum Einzugsgebiet und Lu würde von der Schulbehörde der nächstgelegenen Stadtteilschule – bei uns leider in einem der Brennpunkte Hamburgs – zugeteilt werden. Na Danke.

Dabei war die Idee der Stadtteilschule doch so super. Man muss sich nicht gleich festlegen, welche Schulform (Hauptschule, Realschule oder Gymnasium) die beste fürs Kind ist, sondern alle Schüler werden gemeinsam unterrichtet und bekommen entsprechende individuelle Förderungen und Kurse. Die Freundin von Lu hatte ebenfalls den Wunsch von der Privatschule zu wechseln. Sie hat sich mit ihren Eltern eine Schule ausgesucht, die eine besondere pädagogische Prägung hat, aber leider nur bis zur 10. Klasse geht. Im Anschluss steht dann wieder die Frage: auf welche Schule gehe ich? Werde ich genommen oder wohn ich zu weit weg?
Dann doch lieber gleich aufs Gymnasium …

Das Gymnasium

Ja, und da ist Lu heute. Obwohl sie KEINE ausdrückliche Empfehlung fürs Gymnasium hatte, erst zur 6. und nicht zur 5. Klasse gewechselt hat, gefühlte drei Jahre Englisch und ein Jahr Mathe nachholen musste (so richtig „super“ war der Unterricht dann wohl doch nicht), fühlt sie sich pudelwohl. Unterm Strich dreht sich unser Familienleben allerdings sehr stark um die Schule. Ich erinnere mich an meine unbeschwerte Schulzeit in der ich nach der Schule den Ranzen in die Ecke pfeffern konnten und mich ab 15.00 Uhr mit Freunden im Eiscafe treffen konnte. Lu hingegen macht Hausaufgaben und lernt. Wenn sich die Kinder bei dem Lehrer beschweren, dass 190 Vokabeln für den Test in 5 Tagen zu viel ist, antwortet dieser nur lapidar: „Ihr seit schließlich auf dem Gymnasium.“

Noch ist sie motiviert. Ich hoffe, das hält noch etwas an. Denn sonst müssen wir uns wieder die Frage stellen:

Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

 

Bildquelle citymum