… oder vielleicht doch?

Jedes Jahr überlegt sich meine Tochter, was sie gern an ihrem Geburtstag machen möchte. Dann malt und schreibt sie und präsentiert mir zugegeben beachtlich professionell ihr Geburtstagskonzept.

Sie weiß ganz genau, was sie will. Und es ist wirklich der Hammer, wie detailgenau sie sich ihre Geburtstage durchplant: von der gebastelten Einladungskarte über das Essen bis zur Deko. Es wird an alles gedacht!

Weil ich das so toll finde, versuche ich auch jedes Jahr, alles genau so umzusetzen, wie sie sich das wünscht. Bis zu ihrem 8. Geburtstag, vor dem sie verkündete:

Ich mache einen Theater Geburtstag!

Ich fragte mit großen Augen: „Äh, und wie genau geht der?“ Ich bekam nicht nur eine kleine Skizze, wie sie die Einladungen basteln möchte (eine gemalte Theaterbühne mit auf Zahnstocher geschobenem Stoff als Vorhang zum Öffnen und Schließen – Hammer!), sondern auch die Gäste- und Einkaufsliste fürs Buffet plus das Theaterstück, das aufgeführt werden sollte und die Beschreibung der Kinder Kostüme, die sie dafür brauchte.

Das Theaterstück war nicht Hänsel und Gretel oder Dornröschen, sondern ein selbst ausgedachtes – in etwa so:

Die verlorene Krone

Es war einmal eine Prinzessin. Die lebte mit ihren Eltern in einem wunderschönen Schloß in einem wunderschönen Wald voll wunderschöner Bäume. Doch in dem Wald gab es auch eine Schattenseite. Dort lebte eine böse Königin, die nur ein Ziel hatte: die Macht über das Gute.

Die böse Königin hatte aber keine Chance, denn der gute König, seine gute Königin und auch die gute Prinzessin hatten verzauberte Kronen, die sie gegen das Böse schützten.

Doch es begab sich, dass die Prinzessin beim Spielen ihre Krone verlor. Sie suchte nach ihr den ganzen Tag im ganzen Wald und weinte viele bitterliche Tränen. Es wurde Abend. Aber sie traute sich nicht nach Hause zu gehen und ihren Eltern zu erzählen, dass das gesamte Königreich wegen ihrer Unachtsamkeit nun in Gefahr war.

Von dem Weinen angelockt, kamen die Feen und Tiere aus dem Wald und fragten, was los wäre. Die Prinzessin erzählte unter Schluchzen, was geschehen war. Und die Feen machten sogleich einen Plan, wie sie die Krone wiederbekommen könnten. Denn ihnen war klar, dass die böse Königin hinter dem Verschwinden stecken musste.

Als erstes mussten die fiesen Wächter der bösen Königin überlistet werden. Die Feen waren ratlos. Doch die Tiere des Waldes lachten: sie wussten nämlich, dass die Fieslinge süchtig nach Schokoladenpudding waren. Und so war diese Hürde schnell überwunden.

Nun kamen sie zu der Königin. Der Prinzessin schlotterten die Knie, aber sie sagte mit fester Stimme: „Gib mir die Krone!“ Doch die böse Königin lachte nur. Die Prinzessin schaute sich Hilfe suchend nach den Feen um. Aber auch die wussten nicht so recht weiter. Die böse Königin hielt triumphierend die Krone in die Höhe: „Diese Krone willst du? Das Zeichen eurer Macht? Ha, das kannst du vergessen. Sie gehört jetzt mir. Und sie wird der Schlüssel für mich sein zu eurem Schloß und eurem gesamten Königreich. Dieser Wald gehört von nun an MIR! Denn durch den Verlust deiner Krone habt ihr keine Macht mehr!“

Da trat plötzlich aus einer dunklen Ecke die gute Königin hervor, die von den Tieren des Waldes zur Hilfe geholt wurde. Sie sprach: „Du denkst, dieses Stück Blech verhilft dir zur Macht?“ Sie lächelte. „Was bist du nur für ein einfältiges Wesen?“ Die böse Königin funkelte sie mit ihren Augen böse an und schrie: „Du trickst mich nicht aus. Ich weiß, dass die Krone verzaubert ist und euch schützt.“ Die gute Königin lächelte milde: „Das ist wahr, böse Königin. Und auch dich wird sie schützen, solange du Gutes im Schilde führst.“ – „Pah“, schrie die Böse, „sie wird mir Macht verleihen!“ Doch sie hörte sich schon ein bisschen unsicherer an. Die gute Königin schüttelte ihren Kopf: „Das wird sie nicht. Denn auch wenn diese Krone verzaubert ist und uns schützt, verleiht sie keine Macht.“ – „Wie kommt es dann, dass ihr, die Besitzer der verzauberten Kronen, die Macht über den Wald haben und nicht ICH?“, fragte die böse Königin triumphierend. Die gute Königin erklärte: „Das hat nichts mit den Kronen zu tun, böse Königin. Natürlich geben sie uns Schutz, vor allem Schutz vor dir und deinen bösen Gedanken. Aber du wirst durch sie keine Macht erlangen. Du kannst uns einsperren und quälen. Macht bekommst du damit nicht. Denn unsere Macht ist aus Liebe gemacht. Die Bewohner des Waldes folgen uns, weil wir sie liebevoll behandeln. Denn sie liegen uns am Herzen. Du kannst uns bezwingen, unsere Liebe aber nicht. Und damit wirst du uns nie beherrschen.“

Die böse Königin schaute unschlüssig zwischen der Krone und der guten Königin hin und her. Da kamen ihre Wächter. Die böse Königin schrie: „Ergreift sie. Zerfleischt sie.“ Doch die gute Königin und die gute Prinzessin sahen die bösen Wächter nur voller Güte und Liebe an. Die gute Königin sagte: „Ihr lieben Wächter, macht euch nicht unglücklich. Seid friedlich und geht in die Freiheit.“ Die Wächter schauten sich an, überlegten kurz, schleckten sich die letzten Reste Schokoladenpudding vom Maul und liefen davon. Die böse Königin war außer sich, vor lauter Wut schmiß sie die Krone auf den Boden. Die gute Prinzessin reagierte blitzschnell und nahm sie an sich.

Die gute Königin, die gute Prinzessin, die Tiere und die Feen waren erleichtert, es war noch einmal gut gegangen. Sie reichte sich die Hände und gingen Hand in Hand aus dem bösen Schloß. Noch einmal drehte sich die gute Prinzessin zur bösen Königin um, die wutschnaubend durchs Zimmer tobte: „Wenn du fertig bist mit deiner Wut, komm doch mal vorbei. Vielleicht gefällt es dir sogar, gut zu sein?!“ Und damit verabschiedeten sie sich.

Ende

Ich war begeistert von so viel Kreativität. Ich war entsetzt, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich an einem Nachmittag mit 10 Mädchen ein ganzes Theaterstück auf die Beine stellen sollte. Ich googelte unentschlossen „Theatergeburtstag Hamburg“ und kam auf das „Theater Zepellin“.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Denn das Team vom Theater Zepellin bot mir genau das, was mir zum professionellen Ausführen der professionellen Idee meiner Tochter fehlte.

Eine erfahrenen Theaterpädagoging übte mit den Kindern ein Stück ein. Es war überhaupt kein Problem, dass sich meine Tochter bereits eins ausgedacht hatte. Im Gegenteil. Sie fand es toll. Das Buffet wurde von mir mitgebracht. Und am Ende gab es eine hammermäßige Vorführung des Stückes vor allen Eltern. Mit Musik, Effekten und allem Drum und Dran. UN-FASS-BAR GUT!

Das Theater hat auch einen Riesenfundus an Verkleidungen. Da nun meine Tochter aber so genau wusste, was sie brauchte, kaufte ich das ein oder andere Detail noch in einem super Karnevalshop. Das Prinzessinenkleid und die Feier wurden ihr Geschenk und der 8. Geburtstag nicht nur für sie, sondern auch für alle Gäste ein Tag, den sie nie vergessen wird.

 

Bildquelle:

karneval-universe.de