Als allererstes: unser Dachfenster ist wieder da! Nachdem der Trockenbauer es entgegen unserer Absprache zugetackert hatte, ich fast weinte, mein Mann jemanden treten wollte, sagte unser Bauleiter nun: „Ich verstehe ja sowieso nicht, warum ihr das Dachfenster zu haben wolltet …“ Häääääähhhh???

Und das kam so:

Der Bauleiter und ich stehen in sonniger Eintracht im Garten und halten Farbkarten in den Händen. Das Haus soll gestrichen werden. Das Gerüst steht. Die Sonne ist da. Es fehlt nur die Farbe, die mein Mann und ich beide gut finden. Inzwischen sind wir von 12 in Frage kommenden bei 3 gelandet. Es wird, würde ich sagen … Mein Blick fällt auf das Dachfenster, das ja von außen noch da ist, nur von innen zugetackert wurde. Ich erinnere: „Da legt ihr noch Dachziegel drauf, ne?!“ Der Bauleiter: „Wieso?“ Ich: „Das hatten wir ja so besprochen: entweder von innen auch offen oder eben auch von außen dicht. Wir wollen nicht beim nächsten Monsterhagelschlag darüber nachdenken müssen, ob das Glas eventuell kaputt gegangen ist und jetzt um uns herum alles schimmelt.“ Der Bauleiter – wie immer ein Fels in der Brandung: „Ach was, das geht nicht kaputt.“ Ich trotzig: „Aber wir wollen trotzdem Dachziegel.“ Er zieht den Kostenjoker: „Ja aber Andje, wie soll ich das denn machen? Dann muss ich den Dachdecker bestellen. Weißt du, was das kostet?“ Ich: „Ja, dann musst du das machen. Aber wir zahlen das nicht, das hat der Trockenbauer verbockt.“ Und dann kam dieser Satz: „Ich verstehe ja sowieso nicht, warum ihr das Dachfenster zu haben wolltet …“ Und nochmal: Hääääääähhh?

Ich erspare Euch das folgende, lange Gespräch. Das Ergebnis ist: das Dachfenster wird von innen wieder sichtbar. Denn auf einmal ist das gar kein Problem mehr. Es muss weder gezaubert werden (wie der Trockenbauer vorher ankündigte), noch ist die Dämmung in Gefahr (wie uns zuvor versichert wurde). Es wurde nun ein Rohr eingesetzt, das wie ein Bullauge wirkt, uns tolles Licht schenkt – und ist alles kein Problem. Ich finde es toll. Mein Mann findet es toll. Unser Bauleiter findet es toll. Eine echte Aufwertung des Raumes.

Es kommt ein Anruf unserer Verkäuferin: Sie würde sich gern die Dahlienzwiebeln abholen, die noch im Keller liegen. Ihre roten Sitzkissen für die Gartenstühle wären auch noch da. Und ich solle ihr doch bitte mit diesen Dingen auch ihren Spaten rausstellen, da sie sich die zwei Rosen (wie abgesprochen) noch ausgraben wollte. Von außen ist nicht zu sehen, wie drinnen gearbeitet wird und wir Schritt für Schritt das alte, schöne Haus im Wert steigern. Deshalb kann die Dame natürlich auch nicht verstehen, dass ihre Sitzkissen nicht mehr da sind, wo sie sie hingelegt hatte. Den Rest stelle ich ihr aber raus.

Am nächsten Tag sind Zwiebeln und Spaten weg. Der Garten ist voller Löcher. (Sie hat wohl noch ein paar mehr Pflanzen gefunden, die sie behalten wollte). Und unsere Nachbarn teilen uns mit: Sie hätte uns niemals das Haus verkauft, wenn sie gewusst hätte, was wir damit machen. Wir würden keinerlei Wertschätzung zeigen. Das Haus war doch noch gut.

Ich bin gekränkt, denn gerade weil wir das Haus so wertschätzen, investieren wir doch so viel …

Wenigstens die Nachbarn können uns verstehen. Auch Andrea. Die findet es richtig toll, was wir schon gemacht und an altem Zeug rausgeschafft haben. Nur die Terrassentür, die nun im Badezimmer zum Fenster wird, die hätte sie (wenn sie passt) gern, bevor sie im Müll landet. Die ist doch noch gut.

Die Terrassentür passt leider nicht, landet aber vorerst auch nicht auf dem Müll, da die Lieferung der Fenster in Verzug ist. Nun werden wir bei Einzug eine unten abgeschnittene Tür im Bad haben, in die man nicht nur von draußen direkt aufs Klo schaut, sondern auch Kälte und Mäuse freundlich dazu einlädt hineinzukommen…

Unter den Wohnzimmerfenstern, die später zu Terrassentüren werden, ist als Vorbereitung für die Türen ebenfalls schon mal ein Loch. Gleichzeitig läuft die Heizung auf Volltouren, um – so scheint es – neben dem Haus auch gleich einmal durch die Löcher den Garten mitzuheizen. Da muss etwas getan werden. Der Bauleiter gibt mir Recht.

Wir schlendern wieder einmal durchs Haus, ich mit Notizen, was alles noch gemacht werden muss, er einfach nur mit sich. Dieser Mann hat ein Gedächtnis wie ein Elefant.

Die alten Fußleisten bleiben. „Das sieht geil aus“, sagt der Bauleiter. „Die schleifen wir ab und lackieren sie. Geil.“ Das gleiche mit den alten Türen.

Ich finde es toll. Das Haus wird einen neuwertigen Wohnkomfort haben mit dem Charme vom Alten. Superschön! Eine echte und authentische Wertsteigerung und am Ende jede Menge, das wir sehr wohl wertgeschätzt und behalten haben.

Am nächsten Tag regnet es in Strömen. Ich komme zum Haus. Die Fußleisten liegen aufgeweicht im Container. Die alten Türen sind als Schutz vor die Löcher unter den Fenstern genagelt.

Himmel, die waren doch noch gut!

 

Was davor geschah?