Eines meiner Lieblingsjobs in meiner bisherigen Laufbahn als Grafikerin war die Gestaltung eines sehr sehr hochwertigen, aber auch extrem frechen Dessouskatalogs. Wir organisierten „Go-Sees“ – also Castings, wo die hübschesten Mädels vorbeikamen, um sich persönlich vorzustellen, casteten aber auch nach Setcards und Mappen. Die Models, die wir dem Kunden vorschlugen waren meinst blutjung (16- 22 Jahre alt), hatten offensichtlich laut Bild einen perfekten Körper und natürlich etwas „ganz besonderes“. Dachten wir, denn – ach du meine Güte – selbst im zarten Alter von 18 Jahren hatten fast alle Cellulite und einen Wabbelpo. Denn die Mädels hatten durch diesen stressigen Job und dem JetSet Leben überhauptkeine Zeite sich zu bewegen geschweige denn sich gut zu ernähren. Wir mussten sämtliche Dellen in der Nachbearbeitung retuschieren.

Das wahre Leben.

Und genau das wollte das amerikanische Label American Eagle Outfitter nicht mehr und gab schon 2014 bekannt, dass sie bei ihrer Unterwäsche- und Bademoden-Linie „aerie“ ab sofort auf retuschierte Fotos verzichten. Natürlichkeit ist das neue Motto und mit dieser neuen Werbestrategie gibt es einen totalen RUN auf die Kollektion. Da das eigene Selbstbewusstsein stark von Medienbildern beeinflusst wird, ist American Eagle Outfitter nun noch einen weiteren Schritt gegangen und hat mit dem Start der neuen Bademoden-Kollektion „Happy Swim“ einen Instagram-Aktion unter dem Hashtag #AerieReal ins Leben gerufen. Für jedes persönliches und unbearbeitetes Bikini- oder Badeanzugfoto spendet der Konzern 1 Dollar and NEDA, die Non-Profit Organisation, die Frauen bei Esstörungen unterstützt und um Aufklärung bemüht ist.

Ich finde diese Aktion super. Und mal ehrlich: wer sieht schon perfekt aus. Dehnungsstreifen nach der Schwangerschaft, hier ne Falte, da ne Delle, gern auch ein paar Kilos zu viel. Das schleicht sich doch bei jedem ein. Vorallem bei den Männer!