Lange haben wir danach gesucht: eine Scheune nahe der Stadtgrenze, die wir ausbauen könnten. Dazu einen Garten, eine Wiese und Platz für Pony, Schaf und Hund.

Nach langer, langer Suche fanden wir sie NICHT.

Dafür lief uns quasi ein anderes Haus über den Weg: ein Endreihenhaus von 1922 mitten in der Stadt. Wir sind ja flexibel.

Das haben wir nun gekauft und wussten genau, wie es nach unserer Sanierung aussehen würde – bis wir mit der Sanierung anfingen. Da wussten wir auf einmal gar nichts mehr. Halleluja, was sind denn das alles für Fragen, die auf einen zukommen?

Doch wider Erwarten war die erste große Frage weder „Wand raus  und wenn: weint dann der Statiker“, noch „Wo genau sollen die 1.000.000 Steckdosen hin, die man so braucht“, sondern:

Wer ist Andrea?

Denn mitten in unserem Haus, das wir in sportlichen 3 Monaten fertig saniert und eingerichtet haben wollen (und dabei wirklich ALLES neu machen: von Heizungsanlage bis zum Badezimmer, von neuen Fenstern bis zur Fassade, von Wänden raus bis zu neuen Leitungen …) stand eine ca. 500 Tonnen schwere Emaillebadewanne auf geschwungenen Füßen – mit zweitem Namen: „Wenn ihr noch nicht wisst, was ihr mit der machen wollt, sag  bescheid. Ich nehm sie“.

Interessenten hatten wir viele. Nur unsere Vorbesitzerin verließ ihr Haus mit den Worten: „Die Badewanne habe ich Andrea versprochen. Die kommt sie abholen.“

Okay, kein Problem. Nur irgendwie haben wir in der ganzen Aufregung versäumt zu fragen, wer eigentlich Andrea ist und wann sie kommt. Und auch hier meine ich nicht die normale Aufregung „Jippie, ich habe ein Haus gekauft und jetzt geht s los.“ sondern die Tatsache, dass NACH dem Auszug unserer 90-jährigen Verkäuferin das Haus noch komplett eingerichtet erschien. Denn das nette Umzugsunternehmen hatte leider den halben Hausstand der Dame im Haus gelassen. Warum? Das teilte uns die ehemalige Eigentümerin mit (nicht ohne Verwunderung in ihrer Stimme, da dieser Sachverhalt für sie doch auf der Hand lag): „Das muss weg. Das kann ich in meiner Wohnung gar nicht unterbringen.“

Ok, Bett, Schränke, Regale, Kühlschrank, Gasherd, Vasen, Gläser, Tische … Das sollte also weg. Nur die Badewanne natürlich nicht. Klar, die kriegt ja Andrea!

Was uns allerdings sonderbar vorkam, war, dass das Badezimmer noch komplett eingerichtet war (inklusive Zahnbürste & Co), das Telefon eingestöpselt, die Winterjacken an der Garderobe, die Blumen auf den Fensterbänken, Essen im Kühlschrank … Darauf machten wir die alte Dame aufmerksam mit der Bitte noch einmal zu schauen, ob sie das alles wirklich nicht mehr haben wollte.

Etwas seufzend schaute sie nun also genauer hin – und fiel spätestens nach dem 2. Blick aus allen Wolken. Denn natürlich wollte sie gern ihre Zahnbürste und Waschutensilien noch haben. Auch ein Regal. Und die Blumen. Einige Bilder. Der Stuhl sollte ja auch mit. Und die Vasen. Und ihre gute Winterjacke, was machte die denn noch hier? – Kurz: das Umzugsunternehmen hatte leider ca. die Hälfte ihrer Sachen vergessen, weshalb wir kurzentschlossen alles zusammensammelten, es und die arme Frau ins Auto packten und einen 2. Umzug mit ihr machten. Es war Silvester. Wir schleppten Möbel und Blumen – und aßen dazwischen Berliner.

Und irgendwie vergaßen wir dabei zu fragen, wer eigentlich Andrea sei.

 

… und so geht es weiter.